Steuern auf Wettgewinne in der Schweiz — Freibetrag 1 070 400 CHF erklärt

Im April 2024 sass ich gegenüber dem Steuerberater meines Vaters mit der schriftlichen Frage, ob die siebzehn gewonnenen Wettscheine aus dem Six Nations deklariert werden mussten. Seine Antwort kam in zwei Sätzen: «Sporttip-Gewinne unter 1 070 400 Franken pro Jahr — steuerfrei. Solche Beträge erreicht von hundert Wettern keiner.» Er lächelte und gab mir den Ordner zurück.
Das ist die zentrale Zahl des Schweizer Wettsteuerrechts. Der Steuerfreibetrag für Gewinne aus Grossspielen lag 2024 bei 1 056 600 Franken und stieg ab Januar 2025 auf 1 070 400 Franken pro Person und Jahr. Die Zahl klingt astronomisch — und sie ist exakt so gemeint. Sie reflektiert den politischen Willen, die normale Wettkultur in der Schweiz steuerfrei zu lassen und nur die seltenen Mega-Jackpots zu besteuern.
In neun Jahren habe ich mehrfach gesehen, wie diese einfache Regel an einigen Stellen kompliziert wird — bei Gewinnen aus dem Ausland, bei der Frage, ob Verluste abgezogen werden können, bei der Deklaration in der Steuererklärung. Dieser Text erklärt die Regel und die typischen Sonderfälle.
Das Grundprinzip des Bundesgesetzes über Geldspiele
Das Bundesgesetz über Geldspiele (BGS) trat 2019 in Kraft und brachte eine grundlegende Neuregelung der Besteuerung von Spielgewinnen. Vorher waren Lotterie- und Sportwettengewinne ab einem niedrigen Schwellenwert direkt einkommensteuerpflichtig. Mit dem BGS wurde dieser Schwellenwert dramatisch angehoben.
Konkret: Gewinne aus zugelassenen Schweizer Grossspielen — dazu gehören Sporttip-Sportwetten und Swisslos-Lotterien — sind bis zur Höhe des Freibetrags vollständig steuerfrei. Erst Beträge über dem Freibetrag werden zur Einkommensteuer hinzugerechnet.
Diese Regelung ist politisch ein Kompromiss. Auf der einen Seite die Forderung, alle Glücksspielgewinne wie Erwerbseinkommen zu behandeln. Auf der anderen Seite die Praxis, dass Lotterie- und Sportwettengewinne meistens klein sind und der Aufwand zur Erfassung den Steuerertrag übersteigen würde. Der Freibetrag von über einer Million Franken bedeutet faktisch, dass 99,9 Prozent aller Wettgewinne in der Schweiz steuerfrei bleiben.
Wichtig zu wissen: der Freibetrag gilt pro Person und Jahr. Wer im Januar 500 000 Franken gewinnt und im Oktober nochmal 700 000 Franken, addiert beide Beträge: 1,2 Millionen Franken Gesamtgewinn pro Jahr, davon 1 070 400 Franken steuerfrei, 129 600 Franken einkommensteuerpflichtig.
Der Freibetrag 2025 — pro Person, pro Jahr
Die Zahl 1 070 400 Franken sieht willkürlich aus, ist es aber nicht. Sie wird jährlich an die Teuerung angepasst und entspricht ungefähr der zweifachen jährlichen Höchstrente der ersten Säule der schweizerischen Altersvorsorge. Diese Verknüpfung wurde im Gesetzgebungsverfahren bewusst gewählt — der Freibetrag soll sich automatisch mit der allgemeinen Preisentwicklung mitbewegen.
Pro Person bedeutet: bei einem Ehepaar gilt der Freibetrag zweimal. Wenn beide Ehepartner jeweils 800 000 Franken aus Wettgewinnen erzielen, bleibt der Gesamtbetrag von 1,6 Millionen Franken vollständig steuerfrei, weil jeder einzelne unter seinem persönlichen Freibetrag bleibt. Wenn nur ein Partner 1,5 Millionen Franken gewinnt, sind 429 600 Franken steuerpflichtig.
Pro Jahr bedeutet: der Freibetrag erneuert sich am 1. Januar. Wer in zwei aufeinanderfolgenden Jahren je 800 000 Franken gewinnt, bleibt in beiden Jahren steuerfrei — der Freibetrag wird nicht über die Jahre hinweg konsumiert.
Die praktische Konsequenz für den normalen Rugby-Wetter: die Zahl ist astronomisch. Wer mit einem Einsatz von 50 Franken eine Wette zur Quote 25,00 gewinnt, kassiert 1 250 Franken. Wer auf 200 Wettscheinen im Jahr eine Durchschnittsauszahlung von 80 Franken erzielt, kassiert 16 000 Franken. Beide Beträge bleiben um Grössenordnungen unter dem Freibetrag.
Gewinne bei Auslandsanbietern — die heikle Frage
Hier verlässt das Thema die Eindeutigkeit. Der Freibetrag des BGS gilt explizit für Gewinne aus zugelassenen Schweizer Grossspielen. Gewinne aus ausländischen Plattformen — egal ob legal in der Heimatjurisdiktion oder über die GESPA-Sperrliste blockiert — fallen nicht unter diese Regelung.
Die Folge: Gewinne aus Auslandsanbietern sind in der Schweiz steuerlich anders zu behandeln. In der Praxis bedeutet das, dass sie als sonstige Einkünfte zu deklarieren sind und der Einkommensteuer unterliegen. Der niedrige Schwellenwert für Auslandsgewinne ist nicht der Schweizer Freibetrag von 1 070 400 Franken — er ist null.
Konkret: wer 500 Franken Gewinn auf einer Auslandsplattform erzielt, müsste diesen Betrag als Einkommen deklarieren. Praktisch passiert das selten — die Steuerbehörde bekommt keine automatische Meldung von Bet365 oder Pinnacle. Wer aber in einer Steuerprüfung Kontoauszüge vorlegen muss, in denen Ein- und Auszahlungen von Wettplattformen erkennbar sind, gerät in Erklärungsnot.
Zweite Komplikation: viele Auslandsanbieter sind in der Schweiz nicht als legales Wettangebot anerkannt — die GESPA-Sperrliste umfasste Ende 2024 mehrere hundert Domains illegaler ausländischer Geldspielanbieter. Gewinne aus illegalen Angeboten sind nicht nur steuerlich problematisch, sondern auch rechtlich heikel. Der einzelne Wetter wird in der Regel nicht strafrechtlich verfolgt, aber der Schutz durch Schweizer Recht entfällt.
Wer eine umfassende Erklärung der Quoten-Asymmetrie und der rechtlichen Folgen lesen will, findet das Thema im Beitrag zum Quoten-Vergleich Sporttip vs. Ausland ausführlicher.
Deklaration in der Steuererklärung
Für den Normalfall — Gewinne bei Sporttip unter dem Freibetrag — ist die Antwort einfach: keine Deklaration nötig. Die Gewinne sind steuerfrei und brauchen in der Steuererklärung nicht angegeben zu werden.
Anders sieht es aus, wenn Gewinne den Freibetrag überschreiten. Dann gibt es zwei Wege. Bei Lotterien mit hohen Gewinnen — Swisslos Euromillions, Swiss Lotto — wird die Verrechnungssteuer von 35 Prozent direkt an der Quelle abgezogen. Der Spieler bekommt einen Beleg über die abgezogene Verrechnungssteuer und kann sie über die Steuererklärung zurückfordern, soweit der Freibetrag den Gewinn deckt.
Bei Sportwetten ist der Mechanismus anders. Sporttip zieht keine Verrechnungssteuer ab. Gewinne über dem Freibetrag müssen vom Spieler selbst in der Steuererklärung als sonstige Einkünfte angegeben werden — das ist in der Praxis selten relevant, weil die Beträge fast nie erreicht werden.
Praktischer Tipp: bewahre eine Übersicht deiner Sporttip-Transaktionen mindestens drei Jahre auf. Wenn die Steuerbehörde fragt — was sie selten tut, aber nicht ausgeschlossen ist — kannst du nachweisen, dass deine Wettaktivität im Rahmen des Freibetrags geblieben ist. Sporttip stellt Online-Kontoauszüge zur Verfügung, ein einfacher Export reicht.
Verluste — warum sie steuerlich nicht zählen
Eine Frage, die ich regelmässig höre: kann ich meine Verluste aus Wettscheinen steuerlich abziehen? Die Antwort ist klar nein.
Wettverluste sind nach Schweizer Steuerrecht keine abzugsfähigen Aufwendungen. Sie entstehen aus Glücksspielen, die rechtlich als Freizeit- oder Konsumaktivität gelten. Anders als bei einer professionellen Erwerbstätigkeit — bei der Aufwendungen den steuerbaren Ertrag mindern — ist Glücksspiel rein privat veranlagt.
Das gilt auch dann, wenn ein Wetter eine Saison im Plus abschliesst. Wer 5 000 Franken gewinnt und 3 000 Franken verliert, hat einen Nettogewinn von 2 000 Franken. Steuerlich sind die 5 000 Franken Gewinn unter dem Freibetrag steuerfrei — und die 3 000 Franken Verluste irrelevant. Wer 5 000 Franken verliert ohne Gewinn, hat ebenfalls keine steuerlich abzugsfähige Position.
Diese Asymmetrie ist mathematisch nachteilig, aber rechtlich konsequent. Der Gesetzgeber sieht Glücksspiel als Freizeitaktivität, nicht als wirtschaftliche Tätigkeit. Wer professionell pokert und seine Verluste abziehen will, muss sich als Berufsspieler veranlagen lassen — das hat hohe Anforderungen und gilt für Sportwetten in der Schweiz nicht.
Implikation für die Bankroll-Planung: wer Wettausgaben budgetiert, sollte sie nicht als steueroptimierbare Investition betrachten, sondern als reinen Konsum. Genau wie ein Skipass oder ein Fitness-Abo. Wer das Budget-Mindset etabliert hat, schützt sich auch vor problematischem Spielverhalten — der Verlust ist kalkulierter Aufwand, kein optimierbares Buchungselement.
Gilt der Freibetrag von 1 070 400 CHF pro Wette oder pro Jahr?
Pro Person und pro Jahr. Wer im Januar 500 000 Franken und im Oktober nochmal 700 000 Franken gewinnt, addiert beide Beträge zu 1,2 Millionen Franken Jahresgewinn — davon bleiben 1 070 400 Franken steuerfrei, 129 600 Franken werden zur Einkommensteuer hinzugerechnet. Bei Ehepaaren gilt der Freibetrag für jeden Partner einzeln.
Was passiert steuerlich bei einem Gewinn auf einer ausländischen Plattform?
Gewinne aus ausländischen Plattformen fallen nicht unter den BGS-Freibetrag. Sie sind als sonstige Einkünfte in der Steuererklärung anzugeben und unterliegen der normalen Einkommensteuer ab dem ersten Franken. Bei Plattformen auf der GESPA-Sperrliste kommt zusätzlich die rechtliche Grauzone hinzu, in der Schweizer Rechtsschutz entfällt.
Geschrieben von der Redaktion „Rugby Union Wetten Schweiz”.
